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    <title>6cd43985</title>
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      <title>Da ist etwas, das schneller ist als Worte.</title>
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      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;h2&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Früher dachte ich oft, Verbindung entsteht über Worte. Doch weil ich durch meine Hörminderung nicht immer alles sofort oder vollständig verstand, bemerkte ich irgendwann etwas anderes: Ich konnte spüren, was zwischen Menschen geschieht. Lange dachte ich, damit wäre ich allein. Doch mit der Zeit ...
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h2&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           ... erfahre ich von immer mehr Menschen, dass sie genau das kennen. Dieses Erleben scheint mir immer offener miteinander geteilt zu werden. Es wird immer selbstverständlicher.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Heute habe ich außer meiner Familie einen engen Kreis an Menschen, die dasselbe fühlen, darüber hinaus auch im geschäftlichen Kontext.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
           Da ist manchmal etwas zwischen Menschen, das außerhalb der Worte existiert. Eine spürbare Nähe. Eine stille Sympathie. Dieses Gefühl von: Wir verstehen uns.
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Diese Wellenlänge zwischen Menschen. Eine Weite oder Wärme breitet sich in dir aus, wenn du mit diesem Menschen in Kontakt bist. Du denkst sicher, das ist doch nichts Ungewöhnliches, und es gibt sie bestimmt, seit es Menschen oder sogar Lebewesen auf der Erde gibt.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Doch durch meine Hörminderung wurde diese nonverbale Ebene für mich immer sichtbarer. Vielleicht gerade deshalb. Weil Worte nicht immer vollständig da waren. Oder sie zeigt sich gerade dadurch klarer und ehrlicher. Je älter ich wurde, desto deutlicher bemerkte ich etwas: Wenn die Chemie zwischen mir und einem Menschen stimmt, verstehen wir uns oft erstaunlich leicht. Ich kann besser von den Lippen lesen. Die Person versteht meine etwas anders klingende Sprache schneller und lernt sie wie eine Fremdsprache kennen. Fast so, als würden unsere Nervensysteme sich bereits kennen. Andere Menschen verstehe ich weniger gut und umgekehrt ebenso. Selbst wenn beide Seiten sich bemühen oder es wirklich wollen. Trotzdem ist das in Ordnung. Es ist unbeabsichtigt.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich gehe noch weiter: Dieser Raum jenseits der Worte hat für mich noch mehr. Am Anfang, als Schulkind in einer Regelklasse mit vielen Kindern, hatte ich es nicht immer leicht und fühlte mich manchmal wie eine Außenseiterin. Ich bekam nicht viel mit. Um mich herum plapperte alles weiter und ich hatte das Gefühl, die Welt läuft einen halben Schritt neben mir. Während um mich herum alles weiterlief, zog sich in mir etwas zusammen und mein Körper war angespannt. Ein Gefühl von Traurigkeit und Stress zugleich. Überforderung. Ich lernte früh, mein Nicht-Mitkommen hinter einem Lächeln zu verstecken. Lange Zeit dachte mein Kopf, Worte zu verstehen und zu hören sei die einzige Möglichkeit, sich zu integrieren.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Tief in mir jedoch war stets eine leise Stimme, die mich fühlen ließ, dass da doch mehr geben müsste und ich mit manchen Menschen doch auf eine andere Weise verbunden bin. Ich fand gute Freunde und wir lernten uns näher kennen. Ich pendelte zwischen zwei Räumen: dem Raum, in dem ich in einem guten Dialog mit einer mir vertrauten Person stand, und dem anderen Raum mit Menschengruppen, in dem ich mich in manchen Momenten nicht wirklich wohlfühlte und innerlich allein war. Ich gab irgendwann auf, jedes Wort oder stets
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            den ganzen Inhalt mitbekommen zu müssen. Mit der Zeit bemerkte ich jedoch:
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
           Da ist eine Stimmung, eine Atmosphäre, und ich bin mittendrin. Mit all den Menschen.
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Ich bekomme doch mit, was los ist, und plötzlich erkannte ich: Da ist eine spürbare Ebene. Ich fühle die Stimmungen mit. Ich sah Menschen lachen oder tanzen und fühlte diese ansteckende Lebensfreude, die sich ebenfalls in mir ausbreitete. Wir teilten sie miteinander. Ohne Worte.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Oder ich sitze an einem Mittagessen mit Kollegen an einem Tisch und an diesem Tag liegt eher eine gedrückte Stimmung in der Luft. Meine Laune sinkt. Ich teile ebenfalls diese Frequenz mit meinen Mitmenschen. Ein normaler gestresster Alltag, an dem viele viel zu tun haben. Unsere Nervensysteme sprechen eine gemeinsame Sprache.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Eine Person, die aus dem Ausland kommt und seit Jahren hier in Deutschland lebt, sprach ebenfalls von dieser schönen Art sozialen Drahtes: Sie versteht auch nicht alles, aber fasst ebenfalls im Großen und Ganzen das Wesentliche zusammen und spürt jenseits des halb verstandenen Inhalts diesen Raum.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Das bedeutet für mich: Innerhalb unseres bunten Haufens – egal ob mit Hörminderung, als Ausländerin oder als „gesunder“ Mensch ohne äußeren Einschränkungen –  wir fühlen uns mit bestimmten Menschen verbunden oder haben mal einsame Momente selbst inmitten einer Gruppe und gehörten Worten – vielleicht ist genau das Verbundenheit.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
           Etwas, das schon da ist, bevor Worte fallen. Das wir alle oft im selben Boot sitzen. Jeder mit seinen eigenen Paket. Vielleicht beginnt Verbindung manchmal genau dort, wo wir aufhören, alles verstehen zu müssen.
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Mon, 08 Jun 2026 13:03:35 GMT</pubDate>
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